Heute für Sie probegefahren: Leopard 2A8

Doch wenn im Februar der 2A8 an den Start geht, blitzt der Geist des legendären Tiger I wieder auf.
Egal aus welcher Perspektive man den 2A8 mit seiner wuchtigen Frontpartie, der hohen Gürtellinie, dem stark abfallenden Dach und der gekippten Kehrseite auch anschaut - das Fahrzeug lässt sich kaum in eines der gängigen Segmente sortieren. "ShootnDrive" würde man neudeutsch wohl sagen.
Die Bordkanone ist noch mächtiger als im Leopard I, die Nebelwerferbatterien sind noch prominenter positioniert. Vielleicht etwas zu martialisch.
Überhaupt verliert der 2A8 einiges an Charme, wenn man ein wenig genauer hinschaut.
Die 120 mm Sprenggranaten, die rechts und links der Sitzreihen angeordnet sind, wirken sich etwas nachteilig auf das Raumgefühl aus und geben dem ansonsten hochwertigen Interieur etwas allzu Rustikales.
Vorn sitzt man zwar wirklich bequem und fühlt sich selbst von der mächtigen Konsole zwischen den Sitzen nicht beeinträchtigt. Doch hinten kann man sich an der erhöhten Sitzposition kaum erfreuen. Denn der Vorteil des bequemeren Einstiegs wird durch den Nachteil der geringen Kopffreiheit wieder aufgezehrt.
Und auch das Heck hat seine Tücken.
Das plötzliche Ausscheren des Hecks im engen Stadtverkehr ist nicht wirklich zu kontrollieren: bei unserer Testfahrt in der Frankfurter City touchierten wir mehrmals Bahnfahrzeuge der städtischen Verkehrsbetriebe.
Einerseits macht es den Wagen unverwechselbar und garantiert trotz der kompakten Abmessungen einen Stauraum von bis zu 2.000 Litern. Aber der Blick in den Rückspiegel gleicht dem durch eine Schießscharte.
Fahrbahnwechsel ohne Sensoren und Fahren ohne ständige Nutzung der Außenspiegel kann man da vergessen.
Der Leopard 2A8 besticht durch gutmütiges Fahrverhalten, selbst Einbahnstraßen nimmt er in jeder Richtung souverän.
Vielleicht würde man sich noch eine aktive Einparkhilfe wünschen - aber das wuchtige Fahrzeug verzeiht ohne weiteres kleinere Rangierfehler und dank der robusten Bauweise und seiner 75 Tonnen Gesamtgewicht sitzt auch der Fahranfänger relativ geschützt im Innenraum.
Lediglich beim Verbrauch müssten die Ingenieure des Leopard 2A8 noch etwas nachbessern. Die 200 Liter Diesel auf 100 Km im Drittelmix sind beim besten Willen nicht mehr zeitgemäß und lassen auf eine baldige Version mit Hybridantrieb hoffen.
Trotz kleiner Abstriche kan man dieses Fahrzeug sicher als den "König" unter den SUVs bezeichnen. Unverständlich, warum das Bundesverteidigungsministerium die stetig steigenden Exporte dieses gelungenen Fahrzeugs so kleinredet.
til333 - 8. Nov, 12:39