Plagiat: die Rehabilitation eines Unwortes

der heutzutage so übel beleumundete Begriff des Plagiierens war zu seiner Entstehung, während der Blütezeit des imperium romanum, die Beschreibung einer höchst ehrenvollen Tätigkeit, die nur von absolut vertrauenswürdigen Spezialisten ihres Fachs verrichtet werden durfte.
Es war wohl eine Dekade vor unserer Zeitrechnung, als der in der römischen Provinz Antiochien beheimatete Senator Caius Plagius mit seiner Geschäftsidee reüssierte, alle offiziellen Verlautbarungen aus der römischen Regierungszentrale, in großen Stückzahlen kopiert für gutes Geld unter das nachrichtenhungrige Volk zu bringen.
Das Wort "Scannen", von vielen als Begriff englischen Ursprungs mißgedeutet, ist eigentlich abgeleitet vom Namen des nordischen Volksstammes der "Skannern", deren Angehörige als "Kopiersklaven" in römischer Gefangenschaft mit der anspruchsvollen Aufgabe betraut ware, alle offiziellen Texte zügig und akurat in Hunderte von Steintafeln abzumeißeln.
Erst mit dem Einzug der modernen Informationstechnologie ist es auch weniger fleißigen und geschickten Zeitgenossen möglich geworden, mit geringem Aufwand zu denselben Ergebnissen zu gelangen.
Dies beweist leider wieder eindrucksvoll, daß technischer Fortschritt und moralischer Niedergang allzuoft Hand in Hand gehen.
til333 - 28. Jul, 12:34